Hund pinkelt andere Hunde oder Menschen an

Junghund beschnuppert aelteren Hund
Junghund beschnuppert älteren Hund

Junghund beschnuppert älteren Hund

Seit Jahrtausenden ist der Hund ein treuer Gefährte des Menschen. Wir nutzen seine Dienste als Jagdhund, bei der Bewachung von Haus und Hof oder bei der Rettung von Verschütteten nach Lawinenunglücken oder Erdbeben. Auch als Haustier trägt er täglich zur Bereicherung des Familienlebens bei und wird heute meist als vollwertiges Familienmitglied angesehen. Doch daraus ergibt sich letztendlich eine Vielzahl von Problemen.

Da wir das Verhalten des Hundes aus menschlicher Sicht bewerten und beurteilen und seine Signale und Körpersprache oft missverstehen, ist ein entspanntes Zusammenleben mit dem Hund häufig nicht möglich. Für eine gute Erziehung ist es unerlässlich, Ausdrucksverhalten und Psyche des Hundes zu kennen und richtig zu interpretieren.

Die Sprache des Hundes zu verstehen ist nicht immer leicht und aufgrund unserer Unwissenheit verstärken wir unbewusst manch schlechtes Verhalten und erzeugen damit Unsicherheit. Ein Beispiel dafür ist das Phänomen der „submissiven Urination“, was so viel bedeutet, dass der Hund andere Hunde anpinkelt.

Submissive Urination

Meist tritt sie bei Rüden im Alter bis zu einem Jahr auf. Er ist kein Welpe mehr, aber auch noch nicht erwachsen. Ständig ist er neuen Situationen ausgesetzt und will permanent zeigen, dass er sich diesen gut anpassen kann. Für ihn ist die „Pinkelei“ eine prima Gelegenheit zu zeigen, dass er nichts gegen andere Hunde oder Menschen hat, ganz im Gegenteil, er will sich ihnen sogar unterordnen.

Für uns Menschen ist das schwer zu verstehen, da wir dieses Verhalten als peinlich ansehen und dementsprechend darauf reagieren. Für den Hund ist es hingegen ein ganz klares Unterordnungssignal, das er unbewusst aussendet. Aus seiner Sicht müsste er gerade jetzt dafür belohnt werden und kann demzufolge nicht verstehen, warum Herrchen oder Frauchen sich so darüber aufregen.

Aktion und Reaktion

Unabhängig von der Situation des Anpinkelns ist es für jeden Hundebesitzer enorm wichtig, seinen Hund genau zu beobachten und unerwünschtes Verhalten zu unterbinden. Anzeichen für eine „Pinkelattacke“ als Zeichen der Unterwürfigkeit sind beispielsweise angelegte Ohren, ein leichter Rundrücken und die seitliche Haltung des Kopfes.

Achtet man auf solche Signale, kann man derartige Konflikte vermeiden. In diesem Fall ist es schon ausreichend, den Hund abzulenken und sein Vorhaben zu ignorieren.

Beziehung zwischen Mensch und Hund

Mensch und Hund liegend auf dem Rasen

Mensch und Hund liegend auf dem Rasen

Die Beziehung zwischen Mensch und Hund wird immer enger und Tierliebe wird dabei oft falsch interpretiert. Wir Menschen meinen es gut, manchmal zu gut und vergessen dabei, den Hund als das zu sehen, was er ist: Ein Hund. Früher war es den Menschen relativ egal, was ihr Hund dachte. Er hatte seine Arbeit zu verrichten, bekam sein Futter hingestellt und wenn zu alt war, wurde er ersetzt. Heute haben wir ein viel größeres Bedürfnis, unseren Hund zu verstehen und die Beziehung zwischen Mensch und Hund ist herzlich und innig.

Inzwischen haben wir Institutionen geschaffen, wie beispielsweise Hundehotels, Hundefriedhöfe, Hundepsychologen und Dogsitter, die von der Liebe zum Tier profitieren. Der Hund hat als Haustier eine enorme Aufwertung bekommen.

Kommunikation

Hunde sind genau wie wir Menschen Rudeltiere. Kommunikation ist bei der Verständigung untereinander wichtig, allein schon deshalb, um Konflikte zu vermeiden. Um dem Risiko von Auseinandersetzungen und Kämpfen zu begegnen, haben Hunde ein komplexes Verständigungssystem entwickelt. Da sie ja bekanntlich nicht sprechen können, basiert dieses auf körpersprachlicher Ebene. Sie verwenden visuelle Signale, Geräusche und Berührungen sowie Geruchsmarken und zeigen damit Artgenossen ihre Absichten, Stimmung und ihren Rang im Rudel.

Kommunikative Signale können sehr subtil sein. Beispiele dafür sind Ohren anlegen, Hochziehen der Augenbraue oder ein rascher Blick. Derartige Signale sind für den Menschen schwer zu deuten, da sie oft gar nicht wahrgenommen werden und viel Erfahrung voraussetzen. Deutlicher und unmissverständlicher sind Zeichen, wie gefletschte Zähne, eine hoch erhobene Rute oder lautes Knurren. Das Repertoire an Körpersprache ist sehr groß und muss erlernt werden.

Deshalb ist eine richtige Sozialisation wichtig und von enormer Bedeutung. Mit der Rute wedeln, knurren oder die Nase rümpfen sind angeborene Fähigkeiten. Sie richtig einzusetzen oder zu deuten hingegen, muss der Hund erst lernen. Auch wir Menschen müssen lernen, Signale, die unser Hund sendet, zu erkennen und zu verstehen.

Fazit

Hundewelpen beim Spielen

Hundewelpen beim Spielen

Damit wir künftig peinliche oder gefährliche Situationen vermeiden können, müssen wir unseren Hund verstehen. Einen Hund kann man nur dann gut erziehen und problemlos mit ihm zusammen leben, wenn man sein Ausdrucksverhalten und seine Psyche kennt und richtig interpretiert. Wenn wir den Hund als vollwertigen Sozialpartner ansehen, ist es unerlässlich, seine Sprache zu lernen. Fast alle Probleme basieren auf Kommunikationsproblemen.

Wenn wir verstanden haben, wie Hunde untereinander kommunizieren, welche Bedürfnisse sie haben und wie wichtig für sie Vertrauen und eine geregelte Rangordnung ist, steht einem harmonischen Zusammenleben nichts im Wege. Für eine gute Mensch–Hund–Beziehung ist eine enge Bindung unverzichtbar.

Diese erfordert gegenseitiges Vertrauen und Verständnis, was durch gemeinsame positive Aktivitäten und eine konsequente und liebevolle Erziehung erreicht werden kann. Es lohnt sich in jedem Fall zu entdecken, wie Hunde die Welt sehen. Ihnen gelingt es ja auch, durch genaues Beobachten, unsere Sprache zu verstehen.


jennip | Barbara Eckholdt  | Sylvia Voigt / pixelio.de

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